1910 - 1925

Ob die Olympischen Spiele von Athen und Paris oder der erste deutsche Olympiasieger von 1896, der Ringer Carl Schumann, um die Jahrhundertwende zu den vielen Vereinsgründungen im Athletiksport führten, läßt sich nur vermuten.

Als am 7. August 1901 im Nebenzimmer der Wirtschaft zum Rheingau der Ring- und Stemmclub Ladenburg gegründet wurde, waren es 22 begeisterte Sportler, die den Wert der körperlichen Ertüchtigung erkannten. Zum ersten Vorsitzenden wurde damals Johann Bauer gewählt und der Monatsbeitrag auf 50 Pfennig, für Zöglinge auf 20 Pfennig festgelegt.

Bereits am 20.09.01 wurde der Club einstimmig in den mittelrheinischen Athletenbund aufgenommen, womit der Ring- und Stemmclub Ladenburg gegründet, anerkannt und funktionstüchtig war. Die ersten Vereinsabzeichen konnten 1902 angeschafft und für 1,50 Mark an die Mitglieder abgegeben werden. Das Sportzeug bestand aus einer weißen Punchhose, einem schwarzen Trikot, schwarzen Strümpfen und Schnürschuhen und war von jedem Mitglied aus eigenen Mitteln zu bezahlen. Man verzeichnete in den ersten Jahren einen starken Aufwärtstrend in den Sparten Ringen, Stemmen, Tauziehen, Trapezübungen und Pyramidenbau. Ordnung und Disziplin herrschte als oberstes Gebot. Amateurathleten, die sich mit Berufsathleten maßen, konnten sich erst wieder nach einem Jahr guter Führung im Verein sportlich betätigen.

Die Vereinskasse wurde durch Abhaltung von Familienabenden und eines Wintervergnügens mit Verlosung, Christbaumversteigerung und Tanzvergnügen aufgefrischt. 1905 wurde als erster Vereinsdiener Johann Ullrich mit einem Jahresgehalt von 15 Mark eingesetzt. Im Ringen gab es damals nur drei Gewichtsklassen: Leichtgewicht mit 130 Pfd., Mittelgewicht mit 160 Pfd. und das Schwergewicht über 160 Pfd. Im Jahre 1907 konnte man dank einer Sammelliste eine neue Ringermatte kaufen. Zuvor hatte man zu Trainingszwecken ausgestopfte Hopfensäcke benutzt.

Der erste große Wettstreit in Ladenburg fand am 29.08.09 im Ringen, Stemmen und Preiskegeln mit anschließendem Gartenkonzert im Gasthaus zum Schiff statt, wo Hermann Müller, der damalige Kassier, zugleich Vereinswirt war. Pfingsten 1911 fand dann als größere Meisterschaft das XI. Bundesfest in Ladenburg statt, wofür die Ehren- und Vereinspreise die Stadt Ladenburg, die Bäckerinnung Mannheim und Herr Notar Ritter stifteten.

Im Jahre 1913 war der Verein mit nur 62 Mitgliedern kein Großverein, jedoch an Leistungen gemessen führend im mittelrheinischen Athletenbund. Man veranstaltete am 14.06.1913 im Bahnhofhotel eine Kaiserfeier, verbunden mit Wettkämpfen im Ringen und Stemmen. Im gleichen Saal wurde am 09.11.1913 ein großer nationaler Wettstreit für Mitglieder des Deutschen Reichsverbandes für Athletik abgehalten, bei dem der Ring- und Stemmclub Ladenburg erfolgreichster Verein war. Für 30 Pfennig Eintritt konnte man 262 Konkurrenten bewundern, an die 64 Medaillen und Siegerkränze und 150 Diplome überreicht wurden. Die Ehrenpreise stifteten damals die Stadt Ladenburg, das Casino, die Ladenburger Vereine, die Eichbaum-Brauerei und Karl Joachim. Der Festabend begann mit einem Fackelzug durch Ladenburg und wurde mit gesanglichen und turnerischen Darbietungen der Ladenburger Vereine und unter Mitwirkung von 23 Mannheimer Kraftturnern gestaltet. Die sportliche Resonanz war überdurchschnittlich gut, der Verein war mit einem Kassenbestand von 473 Goldmark stabil. Diese Blütezeit war bestimmt auch ein Verdienst der damaligen Vereinsführung unter Jakob Sauer, der mit seinen engeren Funktionären Joseph Eff, Georg Lulay und Hermann Müller eine gute Mannschaft hatte.

1913 unterhielt der Verein auch eine 20 Mann starke Leichtathletikabteilung, für die Adolf Müller bei der Deutschen Sportbehörde für Leichtathletik einen Aufnahmeantrag stellte. Rückschläge gab es dann durch den Einzug von 26 aktiven Mitgliedern zum Militärdienst, was den Verein zur Einstellung der sportlichen Aktivitäten zwang. Für die Kriegsdauer wurde festgelegt, keine Beiträge von den Mitgliedern zu erheben.

Nach Kriegsende fand erstmals wieder am 19.01.19 eine Zusammenkunft von 4 Mitgliedern im Badischen Hof statt, bei der Jakob Sauer den Vorschlag machte, den Verein erneut ins Leben zu rufen. Man stellte einen Kassenbestand von 291,20 Mark fest, der zu einer Vergnügungsfeier mit Tanz und athletischen Aufführungen verwendet wurde. Der Veranstaltungserlös sollte zur Unterstützung der Hinterbliebenen von gefallenen Sportkameraden und Kriegsgefangenen verwendet werden.

Der Verein entwickelte sich prächtig und die Phase des Aufschwungs machte sich auch in der Mitgliederentwicklung bemerkbar. 1922 fand in Ladenburg das Gaufest des Rhein- Neckargaues mit 247 Konkurrenten und 8 Tauziehmannschaften statt. Nach den Aufzeichnungen wurden damals 2.500 Liter Bier und 225 Pfund Wurst verkauft und ein Reinerlös von 13.000 Mark erzielt. Von diesem Geld konnte man eine Berghantel für 8.000 Mark und einen Vereinsschrank für Pokale und Ehrenpreise kaufen.

Im Jahre 1923 wurde auch die Namensänderung in Athletik-Sport-Verein Ladenburg vorgenommen und ins Vereinsregister beim Badischen Bezirksamt eingetragen. Die Fahnenweihe war mit einem Gaufest verbunden, bei dem als Festredner Herr Notar Ritter mitwirkte. Über die Ehrendamen und vielen Bewerber als Fahnenträger wurde in geheimer Abstimmung entschieden. Ein abschließendes Feuerwerk krönte dieses Ereignis. Das Vereinsdomizil wurde 1924 in das Gasthaus „Zum Adler“ verlegt, da beim Rieglers Schorsch auch ein Saal zur Verfügung stand. In diesem Saal fanden dann auch die Ausscheidungskämpfe für die Gaumannschaftsmeisterschaft statt, bei der sich die Ringermannschaft mit Georg Engel, Fritz Schmitt, Joseph Engel, Jakob Diemer, Albert Huber, Ludwig Sauer und Otto Röhrl, sowie die Stemmermannschaft mit Heinrich Stahl, Joseph Engel, Georg Engel, Karl Berthold, Fritz Schmitt und Albert Friedrich qualifizierte.

In dieser inflationären Zeit wurde schließlich auch am 20.05.23 die Vereinsfahne von der Fahnenfabrik Ernst in Heidelberg zum Preise von 1.225.000.- Mark gekauft und als Anzahlung 900.000.- Mark geleistet. Die Gesamtkosten hatten Vereinsmitglieder bestritten. Die Mitgliedsbeiträge betrugen damals vierteljährlich 1.000.-  Mark und 500.- Mark für Zöglinge.

Im Folgejahr 1925 hatte der Verein 187 Mitglieder. Unter der Leitung von Herrn Prof. Linnenbach und der finanziellen Unterstützung von Herrn Direktor Filsinger konnte eine Abteilung Boxsport gegründet werden, deren Sportwart Fritz Fröhlich war.