1926 -1950
Das 25jährige Vereinsjubiläum wurde im Juni 1926 unter Anteilnahme der Ladenburger Vereine und Bevölkerung zu einem wahren Jubelfest. Die ganze Stadt war mit Fahnen, Blumen und Girlanden geschmückt. Der farbenprächtige Festzug wurde aus vielen Fenstern mit Blumensträußchen bedacht. Über das gebotene Sportprogramm schrieb die Presse damals, dass man die Qualität der Wettkämpfe leistungsmäßig mit einer Deutschen Meisterschaft vergleichen konnte. Die Herren aus dem Ehrenausschuss des Festes Bürgermeister Koch, Herr Notar Ritter, Direktor Filsinger, Prof. Linnenbach, Dr. Vogel, Fritz Kahle und Peter Engel marschierten vollzählig im Festzug mit. Den Festzugspreis und den Ehrenpreis für den erfolgreichsten Verein stiftete die Stadt Ladenburg.
Anläßlich seines 83. Geburtstages wurde im November 1927 der Autoerfinder und Ehrenbürger der Stadt Ladenburg Dr.h.c. Carl Benz zum Ehrenmitglied des Vereins ernannt. Man überreichte ihm den Ehrenbrief des Athletik-Sport-Vereins und ein Diplom. Im gleichen Jahr wurde das Mitglied Georg Schwöbel und im September 1928 der Ringer Albert Huber, die beide nach Amerika auswanderten, unter großer Anteilnahme und mit Vereinsfahne am Ladenburger Bahnhof verabschiedet. Damals hatte der Verein über 200 Mitglieder, 4 Ringermannschaften, 2 Heberstaffeln, 2 Rundgewichtsriegen, 2 Tauziehmannschaften und eine Leichtathletikabteilung.
Die größte Werbeveranstaltung seit seiner Gründung hielt der Verein am 13.01.29 im Adler- Saal ab, zu der laut Presse mehr als 300 Zuschauer gekommen waren. Sämtliche Mannschaftskämpfe im Ringen, Stemmen und der Jugendringer konnten die Einheimischen für sich entscheiden. Im Stemmen bestanden die Übungen aus 1-armigem Reißen, 1-armigem Stoßen und 2-armigem Stoßen. Albert Friedrich hatte in der Federgewichtsklasse im 1-armigen Reißen mit 140 Pfund einen neuen Rekord aufgestellt und versuchte dann, mit 150 Pfund den bestehenden Weltrekord von 143 Pfund zu brechen, das misslang ihm, aber mit 500 Pfund Gesamtleistung wurde er Tagesbester.
Am 4. April 1929 verlor die Stadt Ladenburg ihren Ehrenbürger und der Verein sein Ehrenmitglied Dr. h. c. Carl Benz. Am Sonntag, den 7. April hatte der Verein die Ehre, den Sarg des Autoerfinders vom Sterbehaus zum Friedhof zu tragen. Sämtliche Ladenburger Vereine hatten Fahnengruppen entsandt. In sämtlichen Tageszeitungen und Illustrierten des In- und Auslandes erschienen Berichte und Aufnahmen von der Sarggruppe. Tausende säumten die Straßen und nahmen Abschied von einem Mann, der Weltruf erlangte. Dem Athletik-Sport-Verein Ladenburg wurde von der Familie Benz für die erwiesene Ehre das Buch, „Lebensfahrt eines deutschen Erfinders‘, überreicht.
Der Verein hatte 1929 sein Vereinsdomizil im Gasthaus „Zum goldenen Hirsch“ aufgeschlagen, da das bisherige Lokal in den Besitz der Gebrüder Kaufmann übergegangen war. Um diese Zeit veranstaltete man erstmals einen Faschingsball und beteiligte sich an dem von der Fidelio organisierten Fastnachtszug mit einer Prinzengarde.
Ein Bravourstück, das besonders in der deutschen Sportpresse Schlagzeilen machte, gelang am 04.01.31 im Saale des Bahnhofhotels der ASV Ringerstaffel. In der Besetzung Schmitt, Trill, Schwöbel, Sauer, Engel, Stahl und Höttgen besiegte diese mit 10:8 den deutschen Mannschaftsmeister 03 Bad Kreuznach. Auch der Vorkampf der 2. Mannschaft gegen die 1. Mannschaft des SV 06 Mannheim konnten die Ladenburger in der Besetzung Fröhlich, Fischer, Keßler, Friedrich, Höflein, Bürner und Höttgen mit 12:8 Punkten für sich entscheiden. Dies zeigt, dass Ladenburg zu den Ringerhochburgen der damaligen Zeit zählte.
Die Folgejahre waren von finanziellen Schwierigkeiten gekennzeichnet. Die Wirtschaftskrise wirkte sich auch auf die Vereinsarbeit sehr ungünstig aus und Sparmaßnahmen waren angesagt. Dennoch gewährte der Verein auch Winterbeihilfen an bedürftige Mitglieder in Form von Naturalgutscheinen, die in Geschäften von Vereinsmitgliedern einzulösen waren.
1933 hatte der bisherige Vorsitzende Hermann Müller aus gesundheitlichen Gründen sein Amt zur Verfügung gestellt und wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Zu dieser Zeit zählte der Verein nur noch 189 Mitglieder. Justizrat Dr. Ritter, der übrigens ein großer Förderer des Vereins war, stiftete eine Scheibenhantel. Am 01.07.1933 mußte unter Anteilnahme eines Vertreters der NSDAP eine außerordentliche Mitgliederversammlung abgehalten werden, um eine Anpassung des Vereins an die geänderten politischen Verhältnisse zu vollziehen. Sämtliche Vorstandsmitglieder stellten geschlossen ihre Ämter zur Verfügung, wonach Josef Grabenauer als Vereinsführer bestimmt und von den Mitglieder einstimmig gewählt wurde. Man protokollierte, dass nach Absingen des Horst- Wessel- und des Deutschlandliedes die Gleichschaltung vollzogen war. Im Juli 1933 wurde Direktor Filsinger zum Ehrenmitglied des Vereins ernannt.
Die politische Umgestaltung im neuen Deutschland zeigte im Verein sehr rasch seine negativen Auswirkungen. Sie wirkte sich sowohl sportlich, als auch finanziell und auf den Mitgliederbestand aus. Die Trainingsabende wurden schlecht besucht und man hatte Mühe, überhaupt eine Ringer- oder Stemmermannschaft zu stellen. Die Satzung mußte nach den Richtlinien des Reichssportführers überarbeitet und angepaßt werden. Statt Kraft Heil hieß es Sieg Heil auf den Volkskanzler und es kam schließlich soweit, dass der Vereinsführer Grabenauer sein Amt niederlegte. Nachfolger wurde Jakob Sauer, ein unermüdlicher Idealist und seit 1909 ständig 1. oder 2. Vorsitzender. Neben ihm sind besonders seine engeren Mitarbeiter Georg Lulay, Karl Joachim, Heinrich Stahl, Michael Ullrich zu erwähnen. Sie leisteten in dieser schwierigen Zeit wertvolle Aufbauarbeit für den Verein.
Einen Aufschwung erlebte der Verein Mitte der 30er Jahre, als man besonders im Ringen größere Erfolge zu verzeichnen hatte. Der damalige Kassier Karl Hessenthaler konnte erstmals wieder einen positiven Kassenbericht vorlegen. Dies versetzte den Verein in die Lage mit sportlichen Werbeveranstaltungen an die Öffentlichkeit zu treten. So konnte man im Oktober 1936 eine größere Veranstaltung im Ringen und Stemmen abhalten, bei der auf Vermittlung von Frl. Trippmacher die deutschen Olympiasieger im Gewichtheben Josef Manger und Rudi lsmayr am Start waren. Man besann sich auch wieder darauf, dass gesellige Veranstaltungen für die Vereinskasse segensreich sein konnten. Auf eine Bewerbung von Herrn Koob wählte man das Gasthaus „Zur goldenen Rose“ als neues Vereinslokal. Am 11.10.36 wurde bei einem Festabend, Justizrat Dr. Ritter und der unermüdliche Georg Lulay zu Ehrenmitgliedern ernannt.
In den Jahren 1938/1939 erlebte die Vereinsarbeit einen neuen Tiefstand. Durch Einberufungen zur Wehrmacht standen viele Akteure nicht mehr zur Verfügung. Es blieb daher nicht aus, dass die bisher in der obersten Liga kämpfende erste Ringermannschaft 1939 abstieg und der Sportbetrieb durch die Kriegsereignisse völlig zum Erliegen kam.
Nach den Kriegswirren war es schwer die noch lebenden Mitglieder für den Verein zu begeistern und den Sportbetrieb zu beleben. Jakob Sauer 1946/1947 und im Jahre 1947 Ludwig Sauer leiteten den Neuaufbau ein. Eine neue Satzung wurde erstellt und in das Vereinsregister eingetragen. Für seine Verdienste um den Fortbestand des Vereins wurde Jakob Sauer zum Ehrenmitglied ernannt.
Ab 1948 hat Josef Grabenauer den Vereinsvorsitz übernommen. Der Mitgliederbestand war bis zur Jahreshauptversammlung 1950 auf 162 angewachsen. In diesem Jahr wurde bei den Mannschaftskämpfen das griech.- röm. Ringen abgeschafft und alle Kämpfe im freien Stil ausgetragen.